Wohnen im Alter - Neue Wohnmodelle für Senioren

Wohnen im Alter: eine Herausforderung für ein autonomes, gesellschaftliches Leben

Das WOBI versammelt in einer Tagung Experten und Institutionen

Gesellschaftliches Leben im Sinne eines sozialen Gefüges und Autonomie im Sinne einer höheren Unabhängigkeit. Das ist die Herausforderung der Zukunft, für eine Gesellschaft die immer älter wird, sei es was die Lebenserwartung als auch den Geburtenrückgang betrifft. Eine Herausforderung die als Kernelement die Art des Wohnens hat, jetzt und im späteren Alter. Das ist der Grund weshalb das Institut für den sozialen Wohnbau (WOBI) und die gemeinnützige Genossenschaft „Wohnen im Alter“ eine Tagung im Palais Widmann in Bozen organisiert hat, bei der eine ganze Reihe von öffentlichen und privaten Südtiroler und Nicht-Südtiroler Persönlichkeiten eingeladen hat, um die Lage zu besprechen.

Eröffnet wurde sie vom Präsidenten der Genossenschaft „Wohnen im Alter“ Otto von Dellemann, der über „Neue Wohnmodelle für Senioren, von der Diskussion zur Umsetzung” gesprochen hat. Dabei unterstrich er, dass angesichts eines steten Anstiegs von älteren Menschen es unabdingbar sei, diese aus der Isolation zu holen und ihnen Sicherheit zu geben, aber nicht die Sicherheit im traditionellen Sinn, sondern jene, die durch die Erstellung eines Netzwerkes, mit einer Reihe von Anlaufstellen für Informationen und Beratung gewährleistet wird.

Für den Vizepräsidenten des WOBI Primo Schönsberg, „macht es weiterhin Sinn Häuser mit öffentlichen Geldmitteln zu bauen, da die Wohnungsnachfrage immer noch sehr hoch ist. Die Senioren, die in unseren Häusern wohnen, sind oft alleinstehend und haben Bedürfnisse, denen man Rechnung tragen muss. Wir haben die Aufgabe diese aufs Programm zu setzen und um dies zu ermöglichen, haben wir ein Protokoll mit den Rentnergewerkschaften unterschrieben, weil es neben einer guten Verwaltung auch einen sozialen Dialog und Subsidiarität braucht”.

Die Landesrätin für Soziales Martha Stocker, erinnerte daran, dass es “bereits funktionierende Modelle gibt, diese aber überprüft und verbessert werden müssen. Zum einen haben wir einen gut funktionierenden Hauspflegedienst, zum anderen ein gutes Altenheim-System, hinzu bedarf es aber weiterer Systeme, die die angebotenen Dienste umsetzen”.

„Das Thema Wohnen im Alter ist in der gesamten Umweltplanung verankert” betonte Christian Tommasini, Landeshauptmannstellvertreter und Landesrat für den sozialen Wohnbau. „Unsere Gesellschaft hat sich auch aus dieser Sicht verändert, gerade deshalb müssen für ältere, nicht mehr von der Familie behütete Personen, „geschützte“ Wohnungen realisiert und weiterhin Sanierungen vorgenommen werden, damit die Grundlage für Unabhängigkeit und gesellschaftliches Leben gegeben ist”.

Brigitte Herkert von der Koordinationsstelle „Wohnen im Alter“ in München hat Beispiele aus Bayern vorgestellt. „In Bayern liegt die bevorstehende Herausforderung darin, unseren Senioren Antworten auf ihren Willen nach Unabhängigkeit zu geben und dem Wunsch nach Leben im Eigenheim Folge zu leisten. Behilflich können in diesem Fall Sanierungen und Technologien sein. In Bayern wurden, auch in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, mehrere Modelle erstellt: gemeinsame Unterkünfte für Jung und Alt; „geschützte“ Wohnorte; Wohngemeinschaften, in denen sich die Senioren selbst, unter Beaufsichtigung, um die Betreuung und den Einkauf kümmern”.

Wie es diesbezüglich im Trentino aussieht, erklärte die Cohousing Expertin Cinzia Boniatti. „Im Jahr 2050 wird es in Italien und weltweit sehr viele alte Menschen geben. Das Ziel sollte sein, in guter Verfassung alt zu werden. Es geht also darum festzustellen, wieviel wir bereit sind für ein unabhängiges Altwerden zu investieren. Die Vorbeugung sollte an oberster Stelle stehen, damit wir unsere Senioren körperlich und seelisch fit erhalten. Es müssen „gemeinsam abgestimmte” Wohngemeinschaften entstehen, die unseren Senioren Zuversicht und Lebensfreude vermitteln. Diese könnten auch durch ein neues Stadtkonzept entstehen”.

Anschließend sprach Architekt Georg Klotzner über das Wohnprojekt „Lebensräume für Jung und Alt, Eucharistiner in Meran”. Es folgte der Präsident des WOBI Heiner Schweigkofler: „Wir haben 13.400 Wohnungen, 50% davon werden von Senioren bewohnt. Das Wohnen im Alter ist für uns also ein wichtiges Thema”. Schweigkofler informierte über WOBI-Projekt in Haslach: „Im ehemaligen Lehrlingsheim entstehen Wohnungen mit Service für Senioren, die den Gemeinschaftssinn fördern und als Ansporn für ein aktives Leben im Stadtviertel dienen sollen”.

Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich, dass „Jeder für das Wohnen im Alter investierte Euro auch eine Kosteneinsparung der Sozialausgaben mit sich bringt. Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir der steigenden Nachfrage Herr werden, da die Öffentlichkeit dies nicht alleine tun kann. Es braucht neue Formeln und Subsidiarität”.

Der Bozner Stadtrat Sandro Repetto lieferte einige Daten zur Situation in Bozen und zeigte einige Wege auf: “In der Stadt leben 25% über 65-jährige und fünf Tausend über 70-jährige leben allein. Das Phänomen ist im Wachsen, die Gemeinde kann diese Situation nicht alleine meistern. Die Altenheime sind inzwischen für die Langzeitpflege gedacht, die Gemeinde hat dafür nur 800 Plätze, für den Rest müssen Abkommen mit anderen Institutionen getroffen werden. Auf 600 kommunale Wohnungen zählen wir 60 geschützte und 15 betreute Unterkünfte. Das ist nicht viel, deshalb arbeiten wir an der telematischen und intelligenten Betreuung. Gestartet wird mit den 60 geschützten Wohnungen, wir hoffen aber, dass 2019 eine Vorgehensweise mit der Landesregierung gefunden werden kann, die dem Bürger die Rückerstattung des Kaufs dieser Pakete sichert. Dank des neuen Landesraumordnungsgesetzes, das die sogenannten gemischten Zonen vorsieht, kann das öffentliche und private Verhältnis verstärkt werden, was für ein Cohousing und für geschützte Wohnheime von großer Bedeutung ist”.