Die Bautätigkeit im Laufe der 4 Jahrzehnte
In den 40 Jahren seines Bestehens hat das Wohnbauinstitut immer im Dienste der sozial schwächeren Bevölkerung Wohnungen gebaut, gekauft oder saniert. Ist es zu Beginn vor allem darum gegangen so schnell als möglich so viel wie möglich Wohnungen zu bauen, um die große Nachfrage zu befriedigen, ist es später darum gegangen mehr auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen und ein angenehmes Wohnambiente und – umfeld zu schaffen. Dabei wurde vor allem ein großes Augenmerk auf die Energieeinsparung gelegt.
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1972-1980
In den Jahren 1972-1980 gab es für das Institut ein einziges großes Ziel: Mietwohnungen auch in Landgemeinden zu errichten, um den großen Nachholbedarf an Mietwohnungen für einkommensschwache Bürger auch dort anbieten zu können.
Dies entsprechend auch dem erklärten Ziel der Landesregierung, die Landflucht einzudämmen und also die Orte außerhalb der Städte lebendig zu halten. Gleichzeitig aber galt es auch in den Städten den durch einen mehrjährigen Stillstand im Wohnbau bedingten großen Bedarf zu decken.
Dank einer großzügigen, italienweit einzigartigen, Bereitstellung finanzieller Mittel durch die Landesregierung war es auch möglich, in dieser Zeitspanne eine bedeutende Zahl an Bauvorhaben des Wohnbauinstitutes zu verwirklichen.
Die Priorität war dabei eine möglichst kostensparende Bauweise, aber auch eine möglichst schnelle Umsetzung des Bauprogrammes.
Dies hatte allerdings zur Folge, dass die Bauqualität nicht immer angemessen war und dass auch unter dem heute so wichtigen Aspekt einer nachhaltigen, energiesparenden Bauweise die Ergebnisse manchmal zu wünschen übrig ließen.
Ein wichtiger Fortschritt waren die Grundrisslösungen, die von der traditionellen räumlichen Enge der „Volkswohnhäuser", hin zu moderneren, großzügigeren Räumen geführt haben, die auch den damals noch kinderreicheren Familien eine angemessene und hygienisch deutlich verbesserte Unterkunft bieten konnten.
1980-1990
Dieses Jahrzehnt war vom berühmt-berüchtigten Energieschock aus dem Ende der 70er Jahre gekennzeichnet. Die Energiepreise, also auch die Heizkosten erfuhren drastische Erhöhungen und zwangen alle Bauherren, aber insbesondere das Wohnbauinstitut die eigenen Baustandards zu überdenken und eine energiesparende Bauweise anzustreben.
Gleichzeitig wurde aber auch versucht, der Qualität der Außenbereiche, also der Innenhöfe und Grünbereiche ein erhöhtes Augenmerk zu widmen. Der öffentliche Raum, der noch bis zu den 50er und teilweise noch 60er Jahre als Spielbereich und Kommunikationsbereich genutzt werden konnte, war durch die dramatische Erhöhung des Autoverkehrs vor allem in den Städten, kein attraktiver, ja sogar ein gefährlicher Ort geworden.
Es wurde also versucht, möglichst einen großzügigen Spielraum für Kinder und Jugendliche, aber auch Grünbereiche als Erholungs- und zwischenmenschliche Kommunikationsbereiche zu schaffen.
Die Bautätigkeit des Institutes wurde weiter intensiv fortgesetzt. Es waren die großen Bauvorhaben in der ehemaligen „Semirurali-Zone" in Bozen und in Sinich in Meran, die von der Anzahl der Wohnungen her, dem Institut die größten Anstrengungen abforderten.
Planerisch wurde in diesen neuen Vierteln versucht, die Räume zwischen den Gebäuden als Fußgängerzonen autofrei zu gestalten. Diese Entscheidung hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen, da diese Viertel heute eine allgemein anerkannte hohe Wohnqualität aufweisen.
1990-2000
Das dritte Jahrzehnt der Tätigkeit des Institutes war einerseits geprägt durch eine immer stärkere Verlagerung von den Neubauten hin zur Wiedergewinnung bestehender Bausubstanz.
Diese Entwicklung war einerseits bedingt durch den immer knapper werdenden Baugrund, der in Südtirol bekanntlich auf Grund der geringen Verfügbarkeit auch sehr teuer ist, andererseits auch durch die Notwendigkeit, immer größere Ressourcen der Instandhaltung und der rationellen Nutzung der bestehenden Bausubstanz durch entsprechende Umbauten zu widmen.
In diesem Jahrzehnt trat jedoch auch ein anderer wichtiger Aspekt immer stärker in den Vordergrund; nämlich jener der ökologischen Nachhaltigkeit insbesondere im Baubereich. Das Wohnbauinstitut wurde Mitglied des Klimaschutzbündnisses und übernahm damit die Verpflichtung mit ökologisch verträglichen Baustoffen energiesparende Gebäude zu bauen.
Zeugnis dieser Haltung sind zum einen der Bau des Versorgungskanals in der „Bozner Au“ mit dessen Anschluss an das vom Institut gebaute Fernheizwerk in Bozen-Süd, der Anschluss von Gebäuden des Institutes an die sich sehr rasch vermehrenden Biomasse-Fernheizwerke in ganz Südtirol und der Einsatz von Solarkollektoren auf den Gebäudedächern. In dieser Zeit erreichten die Gebäude des Institutes bereits vielfach den heute so genannten Klimahausstandard.
2000-2012
Diese Jahre waren durch die sich bereits vorher abzeichnende Entwicklung in der Bautätigkeit des Institutes gekennzeichnet; die außerordentliche Instandhaltung und im Besonderen die energetische Sanierung der Gebäude war im Verhältnis zu den Neubauten vorrangig geworden.
Diese Entwicklung wurde auch durch den Umstand verstärkt, dass der Bedarf an Institutswohnungen vor allem in den Landgemeinden aber auch zum Teil in den Städten geringer geworden war, was erfreulicherweise bedeutet, dass ein Großteil des Bedarfes gedeckt werden konnte. In Bozen wurden die zwei größten Bauvorhaben des Institutes dieser Zeit, nämlich die Zone „Firmian“ und die Zone „Kaiserau“ mit vorbildhaften Kriterien bezüglich Energieeinsparung, Nachhaltigkeit und guter Detaillösungen durchgeführt.
Unter dem baulichen Aspekt zeichneten die Institutsbauten dieses Zeitraumes zwei Dinge aus.
Einmal war es eine Fortführung und weitere Verbesserung der Energiesparmaßnahmen mit der Einführung eines verbesserten Klimahaus“B“ – Standards (40 kWh/m² Jahr) und der Verwirklichung von Gebäuden im Klimahaus „A“- Standard bis hin zum sogenannten Passivhaus, das nur mehr etwa ein Zehntel des Verbrauchs eines Gebäudes aus den 70er Jahren aufweist.
Zum Zweiten waren es die Baudetails, die bereits bei der Planung noch aufmerksamer überprüft und verbessert wurden mit dem Ziel, die künftigen Instandhaltungskosten möglichst gering zu halten. Dies drückte sich auch in einer Standardisierung der Bauvorschriften des Institutes durch die neu erarbeiteten Planungsrichtlinien und die Technischen Normen des Wohnbauinstitutes aus.
Die Wohnungen und Gebäude des Institutes sollen demnach kostengünstig, nachhaltig also ressourcenschonend und langlebig aber auch - und nicht zuletzt - ästhetisch attraktiv gebaut werden. Unter diesen Vorzeichen hat das Institut versucht, sich für die kommenden Jahre zu wappnen, Jahre, die unter dem Zeichen der allgemeinen Knappheit der Ressourcen, vor allem jener finanziellen, stehen werden und sicherlich eine große Herausforderung an uns alle darstellen.
Ausblick auf das Bauen in der Zukunft
In den Planungsrichtlinien des Wohnbauinstitutes finden sich bereits einige Hinweise in welche Richtung sich die Gebäude des Institutes in Zukunft entwickeln werden. Ein natürlich wichtiges Thema ist dabei eine noch energiesparendere Bauweise auch in Hinblick auf die europäische Richtlinie 2010/31/EU, die ab 2018 in Kraft treten wird, die aber bereits für die Jahre dazwischen noch strengere Grenzwerte für den Verbrauch von fossilen Brennstoffen von Gebäuden vorschreibt. Öffentliche Gebäude dürfen bereits ab 2018, jene private ab 2020 nur mehr im Niedrigstenergiestandard gebaut werden.
Immer größere Aufmerksamkeit wird auch der Nachhaltigkeit und den geringen Instandhaltungskosten der verwendeten Baustoffe gewidmet werden. Eine ressourcenschonende und langlebige Bauweise schont nicht nur den Geldbeutel der Wohnungsnutzer, sondern ist auch für ihre Gesundheit förderlich.