Unsere Geschichte: 40 Jahre Wohnbauinstitut 1972-2012
Ein Blick zurück vor 1972
Das 1972 gegründete Wohnbauinstitut hatte bereits einen Vorgänger und zwar das 1934 gegründete „Istituto per le case economiche e popolari di Bolzano", welches von 1937 bis 1945 in „Istituto fascista autonomo per le case popolari della Provincia di Bolzano" umbenannt wurde. Nach dem Krieg von 1945 bis 1972 hat dieses dann die Bezeichnung „Volkswohnhäuserinstitut der Provinz Bozen" erhalten. Dieses Institut unterstand direkt dem Ministerium für öffentliche Arbeiten in Rom und wurde von diesem finanziert. Auf die Tätigkeit des damaligen Institutes konnte das Land Südtirol keinen Einfluss nehmen.
Als eines der ersten Maßnahmen nach der Verabschiedung des zweiten Autonomiestatuts 1972, wurde das Wohnbauinstitut ins Leben gerufen. Seitdem versucht es die Wohnungsnot im Lande zu bekämpfen, indem es für den sozial schwächeren Teil der Bevölkerung Südtirols Wohnungen baut, diese zuweist, verwaltet und wenn notwendig wieder saniert.
Das Wohnbauinstitut entsteht
Dass der Wohnungsbau ein wichtiges Thema in der Südtiroler Öffentlichkeit vor 1972 war zeigt z.B. dass der Auslöser für die Kundgebung von Schloss Sigmundskron 1957 ein staatliches Wohnungsbauprogramm war, das der Staat in Bozen umsetzen wollte. Es sollten für die zuwandernden italienischen Familien Wohnungen errichtet werden, während die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler, die schon während der faschistischen Zeit und jetzt auch in der Nachkriegszeit keinen Zugang zu diesen Wohnungen hatten.
Die Wohnungsfrage entwickelte sich somit zu einem Kernpunkt der Verhandlungen um die Südtirol-Autonomie. Als dann 1972 das zweite Autonomiestatut in Kraft trat und die primäre Gesetzgebungsbefugnis im Wohnbau an das Land Südtirol überging, wurde auch sofort das Wohnbauinstitut gegründet. Diesem wurden dann auch alle vom Staat mit den verschiedenen Programmen gebauten Wohnungen übertragen.
Wohnungen zum 31.12.1972
| Im ganzen Land | 4.391 | 100% |
| Italiener | 3.935 | 89,6% |
| Deutsche | 447 | 10,2% |
| Ladiner | 9 | 0,2% |
| Davon in Bozen | 4.123 | 100% |
| Italiener | 3.886 | 94,3% |
| Deutsche | 237 | 5,7% |
| Ladiner | 0 | 0% |
Wohnungen zum 31.12.2012
| Im ganzen Land | 12.452 | 100% |
| Italiener | 6.095 | 48,95% |
| Deutsche | 5.437 | 43,66% |
| Ladiner | 206 | 1,65% |
| Eu-Bürger | 33 | 0,27% |
| Nicht-EU-Bürger | 611 | 4,91% |
| Keine | 70 | 0,56% |
| Davon in Bozen | 6.041 | 100% |
| Italiener | 4.446 | 73,60% |
| Deutsche | 1.238 | 20,49% |
| Ladiner | 21 | 0,35% |
| EU-Bürger | 7 | 0,11% |
| Nicht-EU-Bürger | 299 | 4,95% |
| Keine | 30 | 0,50% |
Die Mitglieder des ersten Verwaltungsrates des Wohnbauinstitutes 1972 waren:
- Dr. Karl Ferrari
- Josef Schenkg
- Paetano Pappalardo
- Paolo Bezzati
- Comm. Angelo Novello
- Rag. Georg Viehweider
- Ing. Burkhard Pohl
- Edi Stemberger
- Giovanni Rossi
- Dr. Karl Weis
- Arch. Josef Innerkofler
Die Mitglieder des ersten Aufsichtsrates des Wohnbauinstitutes 1972 waren:
- Dr. Anton Kritzinger
- Dr. Kurt Mutschlechner
- Dr. Piercarlo Turra
Wohnungen für alle
Nachdem bereits im Jänner 1972 die gesetzliche Grundlage für das Wohnbauinstitut geschaffen wurde, wurde im Juli 1972 der erste Verwaltungs- und Aufsichtsrat des Institutes ernannt.
Es mussten nicht nur die 4.391 Wohnungen des alten Institutes übernommen und verwaltet werden, sondern ein neues von der Landesregierung genehmigtes Bauprogramm umgesetzt werden, mit dem Ziel, in fast allen Gemeinden Südtirols Sozialwohnungen zu bauen.
Bisher wurden die Sozialwohnungen ja fast ausschließlich in Bozen und in den größeren Zentren bzw. in den Grenzorten gebaut.
In den meisten Dörfern Südtirols wird erst jetzt begonnen, von der öffentlichen Hand auch Mietwohnungen zu bauen.
Die damalige Verteilung der Wohnungen bezeugen diesen Umstand.
Es begann ein wahrer Bauboom. Landauf landab wurden im Laufe der 70er und 80er Jahre Baustellen eingerichtet. Das Institut hat mit einem erheblichen finanziellen und logistischen Aufwand die Umsetzung der Bauprogramme verfolgt und hat sich bemüht der ansässigen Bevölkerung bis ins entlegenste Tal des Landes zu einer zeitgemäßen Wohnung zu verhelfen. Inzwischen gibt es in 110 der insgesamt 116 Gemeinden Südtirols Wohnungen des Wohnbauinstitutes. Nur in Kuens, Laurein, Prags, Andrian, Hafling und Tiers verfügt das Institut über keine Wohnungen.
Zusätzliche Aufgaben für das Wohnbauinstitut
Dem Institut sind später von der Landesregierung neue Aufgaben, wie z.B. die Ausbezahlung des Wohngeldes übertragen worden. Dieses ist ein Beitrag zur Bezahlung der Miete auf dem freien Wohnungsmarkt. Heute werden an 8.000 Gesuchsteller über 30 Mio. € an Beihilfen ausbezahlt.
Wie bereits erwähnt wurde das Institut 1998 damit beauftragt für Arbeiter und Studenten Bettenplätze zu schaffen. Es wurden 525 Plätze in verschiedenen Arbeiterwohnheimen in Bozen und Meran geschaffen. Hier finden inländische und ausländische Arbeiter für einen Zeitraum von 5 Jahren eine Wohnmöglichkeit.
Weiters hat das Institut im Auftrag der Landesregierung Wohnungen für Angehörige von Militär- und Polizeikräften errichtet. Dafür sind im Gegenzug Immobilien vom Staat an das Land abgetreten worden.
Außerdem wurden auch Wohnungsbauten für Genossenschaften ausgeführt.
Eine große Herausforderung für das Institut war der Abbruch der sogenannten Gartenhäuschen in der Bozner Au (Semiruralizone) und die damit verbundene Umsiedlung der über 1.000 Familien, die in den alten Häuschen lebten. Auf diesem 30 Hektar großen Areal wurden dann in moderner Bauweise über 2.500 Wohnungen, eine Kirche und andere Infrastrukturen für das Stadtviertel errichtet.
Um das Stadtviertel mit Wärme für Heizung und Warmwasser zu versorgen hat das Wohnbauinstitut in Bozen Süd ein eigenes Fernheizwerk gebaut und einen begehbaren Versorgungskanal in Form einer Ringleitung durch die ganze Bozner Au errichtet.
Verwaltungstätigkeit des Institutes
Das Wohnbauinstitut verfügt derzeit über ein Immobilienvermögen von 13.293 Wohnungen, 12.894 Garagen und Autoabstellplätzen und 179 Geschäftslokalen und Büros. Diese Immobilien werden verwaltet und instandgehalten und mit den Mietern dieser Immobilien der Kontakt gepflegt.
Das Wohnbauinstitut beschäftigt 220 Mitarbeiter, die in den verschiedenen Verwaltungsbereichen arbeiten.
Um näher am Bürger bzw. Mieter zu sein wurden Mitte der 90er Jahre Außenstellen in Meran und Brixen eingerichtet. Vorher war der Bürger gezwungen sich an die Büros in Bozen zu wenden, wenn er Dienste des Institutes in Anspruch nehmen wollte, jetzt kann er seine Anliegen auch in den Außenbüros in Meran, Schlanders, Brixen, Bruneck, Sterzing oder Neumarkt vorbringen.
Jedes Jahr werden an die 5.000 Gesuche um Zuweisung einer Wohnung und 10.000 Gesuche um einen Mietbeitrag eingereicht, die bearbeitet werden.
Ein großer Aufgabenbereich ist die Kondominiumsverwaltung. Hier werden Bilanzen erstellt, die Wohnungsnebenkosten, wie Heizung, Wasser und Strom abgerechnet und die Mieten angelastet, sowie Spesenausgleiche vorgenommen. Auch die ordentliche Instandhaltung der Immobilien mit der Bearbeitung von tausenden Schadensmeldungen im Jahr benötigt eine gut funktionierende Verwaltung.
Hervorzuheben ist, dass in den letzten Jahren die meisten alten Heizanlagen von Öl auf Gas umgestellt, oder, wo es möglich war, an die Fernwärmenetze angeschlossen wurden. Dadurch wurde ein wertvoller Beitrag für die Umwelt geleistet.
30.000 Bewohner
In den Wohnungen des Institutes leben knapp 30.000 Menschen. Die Betreuung der Mieterschaft erfolgt durch Zonenverwalter, die jeweils 800-1.000 Wohnungen betreuen. Diese haben die Aufgabe, die Erhebung und Eingabe der Einkommensdaten und der Familiensituation vorzunehmen, um die jährliche Berechnung der Mieten durchzuführen. Weiters achten sie in den Gebäuden auf die Einhaltung der Hausordnung und der gesetzlichen Bestimmungen.
Das Institut arbeitet auch mit sozialen Institutionen wie den Bezirksgemeinschaften, den Sozialämtern der Gemeinden, dem Dienst für Abhängigkeitsbekämpfung und der Caritas zusammen, um die Betreuung und die Integration der Mieter zu gewährleisten. Das Wohnbauinstitut wurde in der Vergangenheit auch beauftragt Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Nordafrika unterzubringen. Eine besondere Herausforderung war die Führung des Einwandererlagers in Bozen Süd und nach Schließung desselben die Eingliederung der Bewohner in die Arbeiterwohnheime und Wohnungen des Institutes.
Bau, Zuweisung und Verkauf
Das Wohnbauinstitut hat von 1972 bis heute 10.180 Wohnungen gebaut und gekauft. In der gleichen Zeit wurden 10.180 Neubauwohnungen und 6.680 instandgesetzte oder sanierte Altbauwohnungen an neue Mieter übergeben. Mit einem großen Aufwand verbunden war der seit 1972 durchgeführte Verkauf von 2.179 Wohnungen an die Mieter.
Die Präsidenten des Verwaltungsrates von 1972 bis heute
Karl Ferrari
1972 bis 1993
Rosa Franzelin-Werth
1993 bis 2005
Albert Pürgstallers
2005 bis 2010
Konrad Pfitscher
2010 bis 2015
Heiner Schweigkofler
2015 bis 2020
Francesca Tosolini
2020